Folgender Text wurde veröffentlicht in „Black Star“, dem Magazin von Organise! (Freund*innen der Internationalen Arbeiter*innen-Assoziation in Belfast/Irland):
Solidarität mit den Arbeiter*innen bei den Piercing Studios Obsidian and Echo in Belfast, die immernoch im Arbeitskampf mit diesen Unternehmen sind. Die Arbeiter*innen wurden kurz vor dem 1. Mai wegen gewerkschaftlicher Organisierung gekündigt! Wir zeigen uns solidarisch mit unseren Mitgliedern, die für ihre Rechte gekämpft haben und in Gegenzug dafür rausgeschmissen wurden!

Anlässlich des Internationalen Frauen*tag (Samstag 08. März) waren alle Mitglieder von Organise!-IAA, die bei den Obsidian and Echo Body Piercing Studios angestellt sind, in Streik getreten, um gegen die unsicheren Arbeitsbedingungen aufgrund fehlender Hepatitis-B-Impfungen zu protestieren. Am Freitag 20. März wurden sie eingeladen wieder die Arbeit aufzunehmen, allerdings für verringerte Tätigkeiten, die sicherer seien „mit Schwerpunkt auf Aufgaben ohne Piercing und Anpassung“, während ihr Arbeitgeber sich darum kümmere für sichere Arbeitsplätze zu sorgen. Daher gingen sie am 26. März wieder zurück in den Betrieb, wurden jedoch alle am 30. April gekündigt.
Arbeiter*innen gekündigt wegen Bestreikens unsicherer Arbeitsplätze
Nachdem sie zurück an die Arbeit gekommen waren, ihr Arbeitgeber die nötigen Verbesserungen beim Gesundheitsschutz vorgenommen hatte und alle für die Dauer des Streiks Lohn erhalten hatten, wurden sie wegen krasser Anschuldigungen gefeuert. Es ist allen Arbeiter*innen und für Organise!-IAA klar, dass sie wegen ihrer Arbeitsniederlegung ab dem 7. März gekündigt wurden, welche aufgrund dem dauernden Kontakt mit Blut und Körperflüssigkeiten stattfand, da der Arbeitgeber nicht für eine angemessene Impfung gesorgt hatte.
Der Arbeitskampf war insofern erfolgreich, da sie am 20. März eingeladen wurden wieder die Arbeit für verringerte, sichere Tätigkeiten „mit Schwerpunkt auf Aufgaben ohne Piercing und Anpassung“ aufzunehmen. Da das von den seit 7. März streikenden Arbeiter*innen angesprochene Sicherheitsthema bezüglich der Körperflüssigkeiten angegangen worden war, waren sie bereit zurück an die Arbeit zu gehen. Dabei wurde zwei von ihnen Antikörper-Tests und Impf-Auffrischungen angeboten.
Wie Organise!- IAA hervorhebt, sollte den zurückkehrenden Arbeiter*innen kein Nachteil entstehen und es wurde gehofft, dass man mit dem Management auch andere offene Themen besprchen könnte. Die Arbeiter*innen wurden für alle Stunden, die sie während des Ausstands gearbeitet hätten, ein voller Lohn gezahlt. Was eine weitere Anerkennung dessen darstellt, dass sie das Richtige taten, indem sie einen unsicheren Arbeitsplatz verlassen haben.

Die Termine für die Antikörper-Testung und die Impfung fanden am 24. und 26. März statt. Die ersten Vollzeitbeschäftigten kehrten am Donnerstag 26. März und Montag 30. März wieder zurück an den Arbeitsplatz und die Teilzeitkräfte folgen entsprechend der Schichtplanung.
Die ersten Hinweise darauf, dass der Arbeitgeber sich an den Arbeiter*innen rächen wolle, die es gewagt hatten sich um ihre eigene Sicherheit zu kümmern, war die Ankündigung, dass zwei von ihnen ihre Ausbildungsverträge als Piercer*innen nicht weiterbestehen würden. Am 1. April kam dann eine Teilzeit-Arbeiterin zur ersten Schicht und es wurde ein Rückkehrgespräch und eine Nachschulung angekündigt, wobei der Termin eine halbe Stunde früher angesetzt worden war.
Stattdessen wurde sie daraufhin aufgefordert, den Manager während der Mittagspause zu vertreten, wobei nach einer Stunde klar war, dass sie nur zur Arbeit zurückgeholt wurde, um sie zu kündigen! Nachdem sie den Manager während der Mittagspause vertreten hatte, wurde ihr ein Brief übergeben, in dem sie darüber informiert wurde, dass sie mit sofortiger Wirkung bezahlt freigestellt wurde. Als die anderen Arbeiter*innen zu den folgenden Schichten erschienen wurden ihnen die gleichen Briefe ausgehändigt. Ihnen wurde mitgeteilt, dass sie schriftliche Abmahnungen erhalten werden. Als den Arbeiterinnen die „Beweise“ vorgelegt wurden, war es klar, dass sie für ihre Arbeitsniederlegung aus Sicherheitsgründen bestraft werden sollen, da dies für ihren Arbeitgeber einen „Vertrauensbruch“ dargestellt habe!
Trotz der ihnen vorgelegten „Beweise“, die von dem berüchtigten Personalmanagement-Unternehmen Peninsula erstellt wurden, sind die Fakten offensichtlich: Die Arbeiter*innen haben unsichere Arbeitsplätze bestreikt und kamen zurück nachdem die Bedindungen verbessert wurden und sie – angeblich – dort wieder willkommen waren. Die zunächst vom Arbeitgeber angekündigten Abmahnungstermine wurden jedoch vertagt, um die Vertretung durch ihre Gewerkschaft Organise!-IAA zu erleichtern und um mit den Reaktionen abzuwarten, je nach dem welche „Beweise“ vorgelegt werden.
Alle Abmahnungsgespräche wurden auf Dienstag 21. April vertagt, um die Stellvertretung zu ermöglichen und beim ersten Termin wurden die Gewerkschaftsvertreter*innen der Organise!-IAA bereits nach 20 Minuten rausgeschmissen. Die anderen Arbeiter*innen wurden darüber informiert, dass sie sich nicht durch ihre Gewerkschaft vertreten lassen dürfen, aber es wurde ihnen auch keine andere Möglichkeit der Stellvertretung gegeben! Eine*r ging unter Protest und andere verfassten schriftliche Antworten auf die zusammengestückelten Vorwürfe.
Solidarität ist Stärke
Wir rufen zu Solidarität mit den Arbeiter*innen, die ihren Arbeitskampf mit dem Chef und dem Personalmanagement Peninsula weiterführen. Auch sollen Klagen sollen beim Arbeitsgericht eingereicht werden. Die Arbeiter*innen, die angesichts der Provokationen eines rachsüchtigen Arbeitgebers fest zusammenstehen, rufen auf zum Boykott der Obsidian and Echo Piercing Studios. Und werden Proteste sowohl gegen ihren Arbeitgeber, wie auch gegen die Personalmanagement-Firma Peninsula.
Boykottiert Obsidian and Echo Body Piercing in Belfast!
Hier gibt es ein Crowdfunding zur Unterstützung der Arbeiter*innen und ihrer Kampagene:
https://www.crowdfunder.co.uk/p/support-sacked-obsidian-echo-workers
Quelle: Black Star, #60 / May 2026,
https://organiseanarchistsireland.com/black-star/
(https://organiseanarchistsireland.com/wp-content/uploads/2026/05/BlackStar60.pdf)
Übersetzung: ASN Köln (CC: BY-NC)
Mehr Infos:
Gewerkschafter*innen der britischen Solidarity Federation (SF-IAA) haben zur Unterstützung des Arbeitskampfes in Nordirland mehrere Kundgebungen bei der Firma Peninsula HR in Manchester durchgeführt:
https://solfedhwu.noblogs.org/the-solidarity-federation-picketing-in-support-of-sacked-workers-in-northern-ireland/
