Iran: Von einer Tyrannei zur nächsten

Die Basisgewerkschaft ZSP-IAA in Warschau hat am 01.03.2026 folgenden Text veröffentlicht:

Wie von uns erwartet haben die rechtsextrremen amerikanischen und israelischen imperialen Kriegsmaschinen den Iran angegriffen. Und damit mehrere benachbarte Regionen zur Zielscheibe von Vergeltungsmaßnahmen in verschiedenen Ausmaßes gemacht. Zudem wurden in mehreren Ländern Protestierende getötet während sie versuchten US-Botschaften zu stürmen.

Anti-Kriegs-Aktivist*innen auf der ganzen Welt sind auf die Straße gegangen, um gegen diese neue amerikanisch-israelische Aggresssion zu protestieren. Doch hier in Polen gibt es auch einen Teil der iranischen Migrant*innen-Gemeinschaft, welche sowohl die Tötung von [Ali] Khamenei [schiitischer Oberster Führer] unterstützen als auch sogar die rücksichtslosen Angriffe durch das US-israelische-Bündnis, welche als ein Schritt in Richtung eines Regimewechsels gesehen werden, der [Shah-Sohn] Reza Pahlavi an die Macht bringen wird.

Kürzlich sind wir Anfang des Jahres zu einer Demonstration gegangen, welche unter anderem mit der Parole „Freiheit für Iran“ als eine Solidaritätskundgebung mit der iranischen Bevölkerung angekündigt worden war. Es stellte sich jedoch heraus, dass dieser Protest organisiert wurde von pro-amerikanischen Unterstützer*innen von Pahlavi. Und wir wurden schnell rausgeschmissen, weil wir Schilder sowohl gegen Khamenei wie auch gegen Pahlavi dabei hatten. Der Übergang von dem Einem zum Anderen würde nur die Ersetzung einer Tyrannei durch eine Tyrannei bedeuten.

Selbstverständlich wird das, was wir als eine Art von Knechtschaft ansehen, von den Diener*innen der Sklavenhalter*innen als „Freiheit“ bezeichnet. In den Medien, die Trump am tiefsten in den Arsch kriechen, kann man lesen, dass er dem Iran die „Freiheit“ gebracht hat (beispielsweise in der Washington Post: „Dank Präsident Trump steht dem Iran die Stunde der Freiheit bevor“)

Es ist jedoch noch garnicht klar, wie sich die Lage im Iran entwickeln wird. Es gibt das Problem der Islamischen Revolutionsgarde und mittlerweile wetteifern verschiedene Personen und Gruppen um die Macht. Nichts davon hat irgendwas mit Freiheit zu tun, selbst wenn der Begriff nur auf das Recht begrenzt wird, die bevorzugte Art der Unfreiheit wählen zu dürfen. Es besteht immer eine großes Risiko, dass ein Machtwechsel nur eine Verlängerung des Machtkampfes bedeutet. Was hat das mit tatsächlicher Freiheit für die Bevölkerung zu tun?

Beherrscht zu werden bedeutet unfrei zu sein. Und das Leben im Kapitalismus ist ebenfalls eine Form der Unfreiheit. In der jüngsten Geschichte des Iran wird der Kapitalismus sowohl durch politische Einflussnahme durch staatliche Eingriffe, wie durch die dazugehörige Korruption beschrieben. Alle Versuche, die Vermögen und die Macht zu kontrollieren, sind der Arbeiter*klasse, welche diesen ganzen Reichtum hervorbringt, nichts gebracht.

Die Interessen des ausländischen Kapitals im Iran haben eine lange Vorgeschichte und sind mit dem Aufstieg des Automobils und der Nachfrage nach Öl entstanden. Die Anglo-Persische Ölgesellschaft (aus der später BP wurde) war eine der ersten, die das Gebiet ging, welches heute der Iran ist. Während des Ersten Weltkriegs wurden Truppen in die Region geschickt, um die Ölinteressen zu beschützen und verschiedene Mächte hatten ein Auge auf das Land geworfen. Später als [Präsident] Mossadegh die Ölindustrie im angeblichen „Interesse der nationalen Wirtschaft“ verstaatlicht hat, versiegten die Gewinnströme der ausländischen Geschäftsinteressen und sie planten gemeinsam mit der CIA einen Staatsstreich, um Massadegh durch [den Monarchen] Reza Shah Pahlavi zu ersetzen.

Nichts davon hatte irgendwas mit „Freiheit“ für die Bevölkerung zu tun, aber dafür mit Absicherung der Freiheit der Kapitalist*innen zur Ausbeutung von Bodenschätzen und Menschen. Der Kapitalismus ist eine richtige Schreckensherrschaft, denn Millionen Menschen sind sowohl im Kampf für dessen Interessen, wie als Folge seines Vordringens gestorben.

Wirkliche Freiheit für die Bevölkerung muss mit einer Massenbewegung der Arbeiter*klasse sowohl gegen das Kapital, wie gegen die unterschiedlichen Regime beginnen, welche versuchen die Leute zu zu beherrschen, während sie die Kapitalbeziehungen beibehalten, deren Hauptbegünstigte sie sind. Ein Wechsel der Hauptbegünstigten von jenen, welche Einfluss im Staat haben, zum ausländischen Kapital bedeutet, bloß die eigenen Herrscher*innen auszutauschen.

Wir verurteilen die grausamen Angriffe, welche von arbeitenden Menschen damit bezahlt werden, dass ihr eigenes Leben gefährdet wird durch das militärische Streben nach Macht und Gewinn von jenen, welche bereits so viele Leben ruiniert haben.

Wir rufen dazu auf, den Blödsinn aufzudecken, der von den Mächtigen verzapft wird, und wir rufen zum Regimewechsel in den USA, in Israel und auf der ganzen Welt auf.

Für eine soziale Revolution!

Weg mit allen Herrschenden und Regierungen, sowie mit der kapitalistischen Tyrannei!

ZSP-IAA Warschau

Quelle: https://www.facebook.com/photo?fbid=1414921313762606&set=a.549971600257586

Übersetzung [und Anmerkungen]: ASN-IAA Köln