Nachdem das Wiener Arbeiter*innen-Syndikat (WAS-IAA) einen Aufruf zur Kundgebung am 30.03. vor der Zentrale der „Diakonie Eine Welt“ veröffentlicht hatte wurde der Arbeitskampf bei dem kirchlichen Unternehmen nun weitergeführt mit einem Protest vor der evangelischen Pauluskirche (anlässlich des Gottesdienstes der Bischöfin Cornelia Richter am Karfreitag):
„Im Fall unserer Kollegin die beim Flüchtlingsdienst der Diakonie in der Beratung von ukrainischen Geflüchteten arbeitet, agiert die Diakonie weiterhin eskalativ, anstatt unsere zigfachen Gesprächsangebote zu ergreifen, und sich endlich mit der Gewerkschaft und der Betroffenen an einen Tisch zu setzten.

Wir fassen nochmals zusammen: Unsere Genossin sollte im November gekündigt werden, wurde ihr damals mitgeteilt. Eigentlich wollte man sie sogar entlassen, und zwar explizit, weil sie mögliche Mißstände an ausenstehende Stellen kommuniziert hat. Aber; ‚man brauche ihre Arbeitskraft noch‘. Daraufhin erfolgte jedoch weder eine Entlassung noch die angekündigte Kündigung. Die Genossin hat deshalb Monate später, Mitte Jänner, also monatelang ungekündigt, an ihre gesamte Abteilung ein Mail verschickt, daß sie sich weiterhin für ihre Kolleginnen einsetzen möchte in Zukunft.
Wenige Stunden später folgte auf dieses E-Mail eine Kündigung, die jedoch auf einige Tage davor datiert ist. Lassen wir diese Zeitkontinuumsdiskrepanzen einmal so im Raum stehen, bleibt immer noch, daß die Kündigung ohne rechtlich verpflichtendem Vorverfahren ausgesprochen worden ist, und eben auch eine Kündigung aus Verpönten Motiven darstellt. Die Diakonie hat ihren Fehler anscheinend bemerkt, im Jänner ein neues Vorverfahren begonnen, und eine Woche nach der ersten Kündigung, erneut eine ‚Eventualkündigung‘ ausgesprochen. Die Verpönten Motive bestehen aber immer noch, auch wenn die 2. Kündigung dann mit rechtlich korrektem Vorverfahren durchgeführt wurde. Der Betriebsrat hat sich übrigens immer gegen die Kündigung ausgesprochen. Sowohl im Vorverfahren letztes Jahr, als auch im Jänner.
Wir haben mit der Genossin gemeinsam gegen beide Kündigungen eine Kündigungsanfechtungsklage eingebracht. Für beide Klagen gibt es Termine vor Gericht jetzt im April.
Das WAS hat von Beginn an der Diakonie Gesprächsbereitschaft kommuniziert. Wir haben mit etlichen eingeschriebenen Briefen zuerst die Geschäftsführung des ‚Flüchtlingsdienstes‘ und dann der übergeordneten Geschäftsführung der ‚Diakonie Eine Welt Ges.m.b.H.‘ informiert, daß wir bereit sind, gemeinsame Lösungen ohne Gericht zu suchen. Auch etliche Telefonate von uns haben zu keiner Kontaktaufnahme durch die Diakonie geführt. Man ignoriert uns (bis auf das bizarre Posting des einen Geschäftsführers unter unserem ersten Diakonie-Artikel auf [https://wiensyndikat.wordpress.com]).
Lediglich mit der Geschäftsführung des Dachverbandes der Diakonie-Österreich gab es ein wohlwollendes Telefonat diese Woche. Man hat zugesagt, sich zu erkundigen was da los sei, und festgestellt ‚das nicht miteinander sprechen, nicht die feine Englische Art sei‘. Passiert ist dann leider wieder nichts; oder anders gesagt, nichts zur Beilegung des Konfliktes. Denn der Geschäftsführer des Flüchtlingsdienstes hat gestern gegen unsere Genossin eine offizielle Verwarnung ausgesprochen. Sie hätte ihre Dienstpflichten verletzt, da ‚WAS-Flugzettel in der Firma ausliegen‘. Man betreibt also weiter Gesprächsverweigerung und versucht mit absurden Vorwürfen Druck auf die Arbeiterin auszuüben, anstatt gemeinsam eine außergerichtliche Lösung für die gesetzeswidrigen Vorgänge bei den Kündigungen zu finden.
Zwar wurden in der offiziellen Verwarnung von gestern die schlimmsten Unwahrheiten ’sie hätte die Flugzettel erneut ausgelegt und mit Tixo an einem Tisch befestigt‘ berichtigt, unsere gestrige Aufforderung die absurde Verwarnung zurückzunehmen wurde wiederum ignoriert. Und das obwohl wir alle drei Hierarchieebenen darüber informiert haben. Die GF [Geschäftsführung] des Flüchtlingsdienstes, die GF der übergeordneten ‚Eine Welt Ges.m.b.H.‘ sowie die Leitung des Dachverbandes Diakonie Österreich.
Daher wenden wir uns [am 03.04.] an die Bischöfin der Evangelischen Kirche, werden nahe dem Karfreitagsgottesdienst in der Pauluskirche im 3. Bezirk die Öffentlichkeit und die Bischöfin über die rechtwidrigen Vorgänge in der Diakonie informieren und auf die Einhaltung der minimalen bürgerlichen Arbeitsrechte pochen.
Die evangelische Kirche Augsburger Bekenntnisses erscheint uns als Eigentümerin der Diakonie Eine Welt die richtige Adresse unseres Protestes zu sein. Es kann nämlich nicht sein, dass Solidarität der Arbeitenden in einem Betrieb mit Kündigungen beantwortet wird.
Das alte Motto der anarchistischen Gewerkschaftsbewegung gilt auch in diesem Fall:
Ein Angriff auf eine ist ein Angriff auf alle!„
Quelle: https://wiensyndikat.wordpress.com/2026/04/02/protest-gegen-die-kundigung-bei-der-diakonie/ [Anmerkungen/Ergänzungen: ASN Köln; Orthographie im Original beibehalten]

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